#evangelischfuerdich

#13 Mini-Reportage Altenpflege

Share on facebook
Share on linkedin
Share on whatsapp

Wir müssen stehen für das, was wir tun

„Nil, wie der Fluss“, sagt Nil Karababa und lächelt. Das hat sie schon oft sagen müssen, denn ihr Vorname ist eben ein besonderer Vorname. Nil ist 35 Jahre alt, sie ist examinierte Krankenschwester und studierte Gesundheitspsychologin und arbeitet jetzt als Pflegemanagerin in einem evangelischen Seniorenheim in Düsseldorf. Heute ist hier der Mitmachzirkus zu Gast. Zwei Jongleure zeigen im Innenhof Kunststücke mit Bällen und Reifen und verraten den Seniorinnen und Senioren ihre Tricks. Fingerfertigkeit, Balance, Koordination, Konzentration… viele Fähigkeiten, die im Alter noch mehr an Bedeutung gewinnen, lassen sich anhand einfacher Übungen trainieren. Nil macht mit. Etwa einmal im Monat gibt es hier besondere Events für die BewohnerInnen. Etwas für die Seele…

Sie legt viel Wert darauf, dass die Arbeit in der Pflege, egal ob in der Krankenpflege oder in der Pflege von alten Menschen, nicht irgendein Beruf, sondern eine Berufung sei. Dafür steht sie. Dafür, dass ihr Beruf eine Herzensangelegenheit ist. Denn, was brauchen alte Menschen oder kranke Menschen, wenn die pflegerischen und medizinischen Grundbedürfnisse gestillt sind? „Menschliche Nähe“, sagt Nil. „Die Bewohner spüren das, sie sind glücklich, wenn sich jemand um sie kümmert.“ Natürlich sei die Arbeit im Gesundheitswesen sehr undankbar, natürlich solle sich etwas an der Wertschätzung und an der Bezahlung der Pflegefachkräfte ändern, vor allem weil die Arbeit, körperlich wie psychisch sehr belastend sei. „Aber,“ meint Nil „in erster Linie müssen wir stehen für das, was wir tun. Wenn ich mein ‚Warum‘ kenne, dann kann mich nichts erschüttern, dann bleib ich meiner Linie treu und gehe meinen Weg.“ Man dürfe die Wertschätzung nicht allein von außen erwarten, sondern sich auch selbst immer wieder Bestätigung geben und sich die Freude am Beruf nicht nehmen lassen.

„Tu Gutes, und du bekommst Gutes zurück.“

Nil kennt ihr ‚Warum‘ ganz genau. Einen besonderen Moment aus ihrer Zeit als Krankenschwester hat sie in ihrem Tagebuch notiert. Während der Corona-Pandemie hatte sie sich freiwillig auf einer Intensivstation im Krankenhaus einsetzen lassen. Monatelang betreute sie einen besonders schwer erkrankten Covid-Patienten. Der Mann war blind, von Geburt an. Nil beschreibt, wie er da lag, nichts sehend außer Dunkelheit, völlig abhängig von Beatmungsmaschinen und der Fürsorge der Pfleger:Innen. Am Tag seiner Entlassung, erzählt Nil, wandte er sich an sie: „Schwester Nil, ich möchte Ihnen etwas mitteilen.“ Sie sagt, „Ja, ich bin hier, ich stehe direkt vor Ihnen.“ „Ich möchte Sie wissen lassen, Sie alle hier haben tolle Arbeit geleistet, jede einzelne Schwester, jeder einzelne Pfleger, aber wenn Sie da waren, bei Ihnen habe ich mich besonders wohl gefühlt, wenn Sie sich um mich gekümmert haben, dann ging es mir besonders gut.“ Das sei ein sehr großes Kompliment gewesen, sagt Nil. „Tu Gutes, und du bekommst Gutes zurück.“ Jemandem den Tag verschönern, ein Lächeln bekommen oder ein Herzensdankeschön. Das ist ihre tiefe Motivation für das Engagement in der Pflege.

Nil ist mit zwei Weltreligionen aufgewachsen und hat aus beiden viel mitgenommen. Als kurdische Alevitin mit Vorfahren aus der Türkei wuchs sie in Deutschland mit dem Christentum auf. Sich selbst bezeichnet sie als weltoffen, liberal, religionsfrei aber nicht

gottlos. Gott war immer da, sagt sie. Und sicher ist Gott jetzt auch da, während sie von ihrer Liebe zu ihrem Beruf und der Liebe zu den Menschen spricht.

#13 Mini-Reportage Altenpflege

Share on facebook
Share on linkedin
Share on whatsapp
Scroll to Top